Arbeiten zur Geisterstunde

Hallo JvM,

ich wundere mich doch sehr über die vielen Aussagen im Bezug
auf die “Ausbeutung” von Mitarbeitern, die angeblich nur
Gerüchte sein sollen, die sich jedoch seit Jahren angeblich “grundlos”
weiterverbreiten.

Mir ist noch auf keiner Internetpräsenz einer
Werbeagentur ein ähnliches Dementigewitter untergekommen,
wie bei diesem Auftritt.

Es scheint mir so als hätte JvM ein nicht gerade geringes Problem mit
dem schlechten Ruf der hauseigenen Arbeitsbedingungen.

Fast jeder der 4-5 Videobeiträge, die ich eben gesehen habe, enthielt
sinngemäß Aussagen wie:

“Stimmt alles nicht”.
“Bei uns wird niemand verheizt”
“Gekotzt hat hier noch niemand”

Nun ist es so, dass ich persönlich seit mehreren Jahren in Hamburg
als Grafiker tätig bin und ausnahmlos jeder meiner Bekannten von JvM,
mir diese sogenannten Schauergeschichten bestätigen kann.

Und das Ganze noch als “Sprungbrett” für eine aussichtsreiche Karriere
zu verkaufen ist wirklich geschmacklos. Die Einzigen, denen dieses
äußerst unausgewogene Arbeitsverhältnis auf Dauer etwas nützt, sind die
Agenturinhaber, die sich ihre Taschen auf unanständige Weise vollschaufeln.

Warum muss eigentlich der Werbekunde jede Mehrarbeit bezahlen,
der gemeine Mitarbeiter bekommt aber nur sein Festgehalt?
Warum werden Überstunden an Wochenenden sogar den Billigarbeitskräften,
wie Praktikanten, abverlangt?

Ein meiner Meinung nach essentielles Problem der gesamten Branche, dass
sicher nicht Sie allein betrifft, wo JvM jedoch wohl einen der vorderen
Plätze belegt. Nur hier wird dieses Prinzip
bis zum Exzess betrieben.

Wo die Website so bobonbunt und lustig wirkt, ist
der Umgang mit dem Humankapital weniger blumig.

Ich finde gute Leute und gute Arbeit sollten auch Ihren Preis
haben. Jung von Matt lässt sich für seine “Ideen” ja auch
ordentlich entlohnen. Warum gibt man das nicht an die Mitarbeiter
weiter und macht dann eben in Zukunft etwas weniger Profit?

Ich jedenfalls verbringe meine Wochenenden lieber
mit Freunden, als in einem Käfig voller überarbeiter
Zombies, mir noch die allerletzte Hirnwindung zu verdrehen, nur
um irgendwelche wahnwitzigen Zeitpläne einhalten zu können.

Dass nennen Sie Champions League?
Das ist stilistisch nicht mal Kreisklasse, denn selbst dort
wird fair gespielt.

Zum Schluß hätte ich auch noch eine kleine Idee für
einen kleinen Sinnspruch zur Mitarbeiterbegrüßung,
etwa für den Eingangsbereich:

COME IN AND BURN OUT!

Das wäre doch was.

15. September 2009 von Frank 3 Kommentare

Kommentare

  1. Thomas am 19. Februar 2010

    Jop, eine Freundin von mir hat in Wien bei JvM für ca. 350€/Monat mehr als 40h/Woche gearbeitet. Als Akademikerin. Das ist Ausbeutung. Aber sie hat nach ca. 3 Monaten freiwillig wieder aufgehört, das war ihr zu blöd.
    Wirklich ein unmenschliches Konzept.

  2. Michiel Zwanenburg am 14. März 2010

    You love advertising or you don’t!

  3. Aaron am 15. September 2010

    Als Aktiengesellschaft kann man es sich nicht leisten mal “etwas weniger Profit” zu machen. Es geht den Anlegern nur um den Gewinn. Haben Sie schonmal einen Moment darüber nachgedacht, wie es wohl den Arbeitnehmern der Aktiengesellschaft bei der Sie Aktien kaufen geht, ohne dass Sie irgendjemand darauf aufmerksam gemacht hat? (Das gilt meiner Meinung nach sowohl für börsennotierte, als auch nicht notierte AGs)

    Ich will dieses Verhalten mit diesem Kommentar nicht gutheißen und mag auch den Kapitalismus nicht leiden, aber so ist der nun mal. Stemmen Sie sich dagegen auf! Machen Sie es selbst besser und dann, dann überzeugen Sie andere davon.